INFORMATIONSBLATT ZERKARIENDERMATITIS
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DIE ZERKARIEN-DERMATITIS
EINE HARMLOSE, ABER UNANGENEHME KRANKHEIT
Unter Zerkarien-Dermatitis versteht man jene Hauterscheinungen, die durch wiederholtes Eindringen von
Zerkarien (= Larvenstadien von Saugwürmern) hervorgerufen werden und durch Juckreiz, Hautrötung an den
Eindringstellen sowie durch Pappl- und Quaddelbildung gekennzeichnet sind.
Andere Bezeichnungen für diese Hauterscheinungen:
Bade-/Schwimmdermatitis, Reisfeldkrätze, Entenwurmkrankheit, Hundsblattern, Weiherhibbel, swimmers' itch
Erreger:
Die Zerkarien-Dermatitis ist eine weltweit vorkommende Wurm-Krankheit, zahlreiche Arten aus fünf Gattungen
(Ornithobilharzia, Austrobilharzia, Bilharziella, Trichobilharzia,
Gigantobilharzia) werden unter dem Begriff "Vogelbilharzien" zusammengefasst, weil Vögel, insbesondere
Wasservögel, als Endwirte dieser Saugwürmer fungieren. Zwischenwirte sind im Süß-, Brack- oder Salzwasser
lebende Lungenschnecken.
Geographische Verbreitung:
In Mitteleuropa sind derzeit nur einige wenige Arten der Gattungen Bilharziella, Trichobilharzia
und Gigantobilharzia als Erreger einer "Bade-Dermatitis" bekannt. In Österreich kommt die Zerkarien-Dermatitis
regelmäßig vor, bis heute sind aber nur zwei Arten identifiziert worden: Trichobilharzia szidati in
Niederösterreich und Bilharziella polonica im Burgenland. Mit großer Wahrscheinlichkeit fungieren in
Österreich aber noch andere Wurmarten als Erreger einer Zerkarien-Dermatitis.
Lebenszyklus des Erregers und Übertragung (Abbildung: siehe unten):
Die natürlichen Endwirte sind Wasser-, insbesondere Entenvögel. Diese beherbergen die erwachsenen 5 - 6 mm
langen, erwachsenen Egel in den darmnahen Blutgefäßen. Die Weibchen legen die Eier zwar in den Blutgefäßen ab,
diese ulzerieren aber in den Darm und werden mit dem Entenkot ausgeschieden. Im Wasser schlüpfen aus den Eiern
Larvenstadien ("Mirazidien"), die in Schnecken (= Zwischenwirte) eindringen, wo sie sich innerhalb
weniger Monate über ein weiteres Entwicklungsstadium (Sporozyste) zu Zerkarien entwickeln, die noch in der
Schnecke überwintern. Mit zunehmender Wassertemperatur im Frühjahr und v. a. im Sommer verlassen die Zerkarien
die Schnecken und versuchen, in die Haut eines geeigneten Endwirtes (z. B. Ente) einzudringen.
Eine Wasserschnecke kann pro Tag mehrere tausend Zerkarien ausscheiden. Die Infektion des Menschen erfolgt
durch zufälliges Eindringen der Zerkarien in die Haut, im Menschen können sich die Zerkarien allerdings
nicht weiterentwickeln und sterben nach mehreren Tagen bis Wochen ab.

Lebenszyklus der Zerkarien-Dermatitis-Erreger (nach Allgöwer 1999)
Die Krankheit:
Erstinfektionen verlaufen in der Regel ohne klinische Symptome, es kann jedoch gelegentlich auch schon wenige
Minuten nach dem erstmaligen Kontakt ein Prickeln oder leichtes Hautjucken auftreten, das von kleinen roten
Flecken begleitet ist. Bei sensibilisierten (= bereits mehrfach befallenen) Personen stellt sich meist erst
einige Stunden nach der Exposition starker Juckreiz ein, und es entwickeln sich rötliche Quaddeln. Die Symptome
klingen nach 10 bis 20 Tagen ab.
Diagnose:
Die Anamnese (Baden in einem freien Gewässer) und die klinischen Symptome (Juckreiz, Hautausschlag) führen schnell
zur Verdachtsdiagnose, die sich meist dadurch erhärten lässt, dass meist zahlreiche Personen nach dem Baden in
einem bestimmten Gewässer die Symptomatik zeigen. Der endgültige Beweis - der allerdings für die Durchführung
einer Behandlung durch den praktischen Arzt oder Hautarzt nicht notwendig ist - erfordert jedoch den Nachweis
der Zerkarien im Wasser oder in den Schnecken aus dem Gewässer. Die Artbestimmung der Zerkarien ist jedoch
schwierig und bedarf morphometrischer und molekularbiologischer Untersuchungen, die im
Naturhistorischen Museum Wien und dem
Klinischen Institut für Hygiene und Medizinische Mikrobiologie der Medizinischen Universität Wien
durchgeführt werden können.
Therapie:
Die Behandlung der Zerkarien-Dermatitis ist ausschließlich eine symptomatische und besteht vor allem in der
Verabreichung von juckreiz- und entzündungshemmenden Salben, Gelen oder Lotionen.
Prophylaxe:
Der beste Schutz vor einer Zerkarien-Dermatitis besteht im Verzicht auf Baden in Gewässern mit "Vogelbilharzien";
die Vermeidung des Aufenthalts in (seichten) pflanzenbestandenen Uferbereichen sowie in Gewässern mit hoher
Schneckendichte und Schwimmen in tieferen Gewässerbereichen senken das Infektionsrisiko erheblich. Nach dem
Verlassen des Wassers sollte die Badebekleidung abgelegt und der Körper mit einem Handtuch kräftig abgetrocknet
werden. Reichliche Anwendung von neutralen fettreichen Salben und Cremes (z. B. Vaseline) schützt zwar
weitgehend die Haut vor dem Eindringen der Zerkarien, allerdings kann das massenhafte Einbringen von Badecremes
und -ölen das ökologische Gleichgewicht des Gewässers beträchtlich stören und ist daher nicht anzuraten!
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